Visions von Nora Wagener
TheatrePosted by Claire Fri, November 20, 2015 10:43:07Visions
lädt den Zuschauer auf eine skurrile Reise in die vier Wände der
jungen, arbeitslosen Kim O ein. Jeden Tag starrt sie stundenlang auf
den flimmernden Bildschirm. Um sie herum verwandelt sich ein trister
Alltag an leeren Pizzakartons und zugedeckten Möbeln in eine
schillernde Unterhaltungswelt, die sich langsam vor den Augen des
Zuschauers auflöst. Der Fernseher im eigenem Heim, ein Zufluchtsort,
der einen mit Träumen und Scheinwelten füttert, bringt aber auch
das ganze Elend unserer heutigen Welt in spektakulären und
grausamen Bildern ins Wohnzimmer. In Kims Welt ist der Fernseher ein
jovialer Weggefährte, aber langsam verwandelt er sich in einen
düsteren Kumpanen. Risse in der Normalität werden sichtbar. Ein
Faxgerät im Kühlschrank spuckt regelmässig Werbetexte aus. Eine
Grossmutter winkt aus der Ferne und der Nachbarhund Frufru hat keine
Beine mehr. Träume verwandeln sich in Albträume. Ängste und
Sehnsüchte konkretisieren sich immer mehr und mutieren zu
dreidimensionalen Gestalten.
Viele junge Menschen zerbrechen heutzutage an den hohen Erwartungen einer immer schnelllebigeren Leistungsgesellschaft. Dazu donnern die Medien einen täglich mit Schreckensnachrichten zu. Kim ist keine Ausnahme. Sie flüchtet vor dem strengen Blick der Öffentlichkeit und dem Grauen in der Welt dorthin, wo sie selber Kontrolle übernehmen kann: ihr eigenes Zuhause. Sie schottet sich von der Aussenwelt ab, ernährt sich ausschliesslich von Junk Food und lässt sich verführen von der Scheinwelt des Fernsehers. Irgendwann verliert sie jeden Anschluss an die Realität. In ihrer Wohnung verschwimmen Wirklichkeit und Phantasie ineinander. Der Fernseher wird ihr einziger Anhaltspunkt, eine skurrile Figur, mit der sie diskutieren und philosophieren kann. In Japan spricht man seit Jahren von Hikikomori, von jungen Erwachsenen, die sich freiwillig von der Gesellschaft zurückziehen, sich in ihr Zimmer einschliessen und den Kontakt mit der Aussenwelt auf ein Minimum reduzieren. Kim ist in gewisser Weise eine Hikikomori.
In
Visions steht der Fernseher wie eine zu Fleisch gewordene Metapher
sowohl für die Sehnsüchte vieler Menschen als für den Grusel der
Welt. Der Glotzkasten wird zu einer schillernden Projektionsfläche
für ein besseres Schicksal, aber auch gleichzeitig zelebriert er
eine düstere Totenmesse für gescheiterte Träume. Als würde sie in
einer anderen Zeit herumgeistern hält sich Kim krampfhaft an die
Welt des Fernsehers fest und baut sich selber ein psychologisches
Gefängnis auf, an dem sie schlussendlich zugrunde geht. Die vierte
Wand im Theater zerfällt. Der Bildschirm zerbröckelt. Ein Albtraum
beginnt indem die Figuren im Blickfeld sich trügerisch verpixeln. Es
gibt keinen Ausweg mehr. Jetzt kann man den Lauf der Ereignisse nicht
mehr auf Knopfdruck beeinflussen.
Regie: Claire Thill
Video: Melting Pol
Sound: Emre Sevindik
Bühne: Claire Thill und Melting Pol
Choreographie & Tanz: Sayoko Onishi
Schauspiel: Leila Schaus, Felicity Grist, Sayoko Onishi
Produktion: Jill Christophe
KULTURFABRIK
116, rue de Luxemburg
L-4221 Esch-sur-Alzette
23. November, 10 und 20 Uhr
24. November, 20 Uhr
28. November, 20 Uhr
29. November, 20 Uhr
30. November, 10 und 20 Uhr
Reservierung :
mail@kulturfabrik.lu
+352 55 44 93-1
www.luxembourg-ticket.lu +352 47 08 95 1
BAMHAUS
rue de la Cimenterie
L-1337 Luxembourg
14. Mai, 20 Uhr
18. Mai, 20 Uhr
20. Mai, 20 Uhr
21. Mai, 20 Uhr
Reservierung:
www.luxembourg-ticket.lu
+352 47 08 95 1
Unterstützen Sie Visions via Crowdfunding: kickstarter
Eine Produktion von Independent Little Lies in Koproduktion mit der
Kulturfabrik und dem Théâtre National du Luxembourg. Mit der
Unterstützung des Kulturministeriums, des Fonds Culturel National, der
Fondation Indépendance und der Stadt Esch-sur-Alzette.
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